Chicago Pt. 1

Ich war ja noch nie in den USA. Und lange Zeit hielt ich Reisen auch irgendwie für Geldverschwendung. Da fährst du eine, zwei, drei Wochen weg, verbrennst nen Haufen Geld und hast nichts längerfristiges davon.

Woher genau ich diese Denke hatte weiß ich nicht mehr, aber dieses Jahr ist der Knoten geplatzt. Ich werde mein Geld nicht mehr so viel in Dinge, sondern vielmehr in Erlebnisse investieren. Den Anfang macht dann also meine kleine Reise nach Chicago.

Eigentlich wollte ich ja in die Karibik oder irgendwo hin, wo es warm ist. Aber als ich den (ziemlich günstigen) Flug nach Chicago sah, hat es ziemlich genau eine Minute gedauert, bis ich mich geistig mit der Windy City angefreundet hatte. Denn erstens war ich ja eh noch nie in den USA und zweitens ist so eine Städtereise eh besser wenn man allein unterwegs ist.

„Was bitte, allein?“ – Ja, allein. Meistens wenn ich das erzähle ernte ich mitleidige bis ungläubige Blicke. Dabei ist allein reisen so super. Man ist offener für neue Bekanntschaften, kann tun und lassen was man selbst will und ist generell nur sich selbst verpflichtet. Nach dem zweiten Tag kann ich jedenfalls sagen, dass ich es nicht bereue, allein hier zu sein.

Nun, ganz allein bin ich ja auch nicht da, meine Kamera ist nämlich mit. Ich reise mit leichtem Gepäck, daher ist auch die Kameraausrüstung auf das Wesentliche reduziert: Body, 17-50mm, 85mm, Akkus, Speicherkarten. Kein Stativ, kein Supertele, kein Schnickschnack. Jedes Teil mehr behindert mich in meiner Bewegungsfreiheit und ich muss mehr schleppen.

Und weil es ja eigentlich um Bilder geht, hier ein paar davon:

Chicago 2015-7
Ein Teil der Skyline vom Millenium Park aus gesehen.

Das hier ist meine Hood, Logan Square. Das liegt ungefähr auf halbem Weg zwischen dem Flughafen und der Innenstadt. gefällt mir sehr gut, Hier gibt es süße kleine Einfamilienhäuschen, jede Menge hipsterige Restaurants und auch die ein oder andere Craftbeer-Bar.

In Downtown wird es dann ein bisschen hochhausiger (geiles Wort. Vergebt mir, es ist nach vier Uhr morgens). Die Innenstadt an sich ist kleiner als ich mir vorgestellt hatte und lässt sich mit Bahn und zu Fuß super erschließen. Hier ist es genau so, wie man es aus den Filmen kennt. Menschengewusel, Sirenen, ratternde Züge und umwerfende Häuser. Ich musste echt aufpassen, mir nicht den Nacken zu verrenken.

Fotografisch besonders wertvoll fand ich ja bisher die „Bohne“, bzw. cloud gate. Die steht im Millenium Park, einem großartigen Grünstreifen zwischen Skyline und Lake Michigan.

Hier kann ich auch ein bisschen meinem heimlichen Hobby frönen – Menschen dabei fotografieren, wie sie sich selbst oder andere fotografieren.

So ein bisschen ist das hier natürlich auch Realitätsabgleich für mich. Wie lebt es sich hier? Wie unterscheidet sich das Leben von den FIlmen? Ein paar Sachen habe ich schon gelernt:

  • Alle hier sind furchtbar nett und höflich. Jedenfalls ist das bisher mein Eindruck. Vom Höflichkeitsgrad durchaus mit England vergleichbar.
  • Manche Dinge funktionieren fast so wie bei uns, aber doch anders genug, damit ich mich lächerlich fühle, sie neu lernen zu müssen. Gestern zum Beispiel habe ich kalt geduscht weil ich keine Ahnung hatte wie man die Dusche warm bekommt. Und Schlösser schließt man hier ab indem man den Schlüssel vom Schloss weg dreht. Wer denkt sich sowas aus?
  • Das Leitungswasser hier soll Trinkwasser sein, aber riecht und schmeckt ein bisschen wie Schwimmhallenwasser. Naja.
  • Food Culture bedeutet hier vor allem Essen gehen. Man kann an jeder Ecke was essen, aber im Supermarkt gibt es kaum Grundnahrungsmittel. Ich war allerdings auch noch in keinem richtig großen Supermarkt.
  • Wenn man sich gesund ernähren will, wird das schnell teuer. Essen ist recht günstig, so lange man Convenience Food nimmt. Aber so „normale“ Sachen, die ich täglich essen würde, habe ich bisher nur in Spezialitätengeschäften und Veganerläden gesehen. Dabei dachte ich eigentlich ich bin kein großer Öko.

Es gibt noch viel mehr hier zu entdecken und vielleicht mach ich ja auch noch das eine oder andere okaye Foto. Wenn ja, kommen noch mehr Beiträge. Ich versuch jetzt erstmal meinem Körper beizubringen, dass er noch nicht um 15:00 Uhr einschlafen darf. Bis dann!